die schneiderin

gute kleidung aus der schneiderwerkstatt ist auch deswegen etwas besonderes, weil sie -  im gegensatz zur maßenware von der stange - nicht so viele anonyme stationen durchlaufen hat, bis sie endlich bei dir angekommen ist. [schutz und schmuck] anziehsachen sind authentisch und sind dir nah, weil du die frau, die sie gemacht hat, persönlich kennst.

rachel kopp stellt sich vor

zum ersten mal sass ich mit zwölf jahren an einer nähmaschine. es war in der schule im hauswirtschaftsunterricht; die lehrerin war eine ältere, gestrenge dame, die mir neben akkuratem handarbeiten auch etwas anstand und manieren beizubringen gedachte. im unterricht sollte ich nicht so oft an der nähmaschine, sondern hauptsächlich neben ihr sitzen und ihr die stecknadeln anreichen, während sie mein verpfuschtes nähgut in ordnung brachte. das machte mich fuchsig, ich wollte selber ausprobieren, und so holte ich zu hause die alte maschine meiner mutter aus dem schrank und machte mich an die arbeit. ich nähte zuerst eine weste, dann einen rock, eine hose...und konnte gar nicht mehr aufhören. anfangs ging jedes zweite teil daneben, doch mit der zeit gewann ich an erfahrung und nähte mich nach und nach durch unseren gesamten vorrat an aussortierter bettwäsche und stoffresten-die bunten siebziger jahre muster darauf hattens mir angetan. der gedanke des upcycling war geboren.

als ich jahre später zum ersten mal die räume der costume company (kostümschneiderei auf kampnagel) betrat, war ich überwältigt von der wundervollen athmosphäre, der unmenge an stoffen, den grossen zuschneidetischen, den bildbänden über kostümkunde...und vor allem von all dem wissen, was sich mir nun nach und nach eröffnete. so also ging schneidern wirklich

ganz schnell wurde mir klar: das will ich alles lernen, verstehen, perfektionieren...denn das macht einfach unglaublich viel spass! und kurz darauf begann ich meine ausbildung zur herrenschneiderin.

auch heute, in meiner eigenen werkstatt, ist die freude am umgang mit den stoffen ein ganz wichtiger grund für mein schaffen - neben dem wunsch, meinen kundinnen durch ein kleidungsstück, was genau zu ihnen passt, ein stück freiheit, leichtigkeit und sicherheit zu geben. denn das kann gute kleidung, davon bin ich überzeugt. meine erste selbst genähte hose hebe ich immer noch auf, obwohl sie mir längst nicht mehr passt. aber sie erinnert mich an die zeit, als ich sie getragen habe - und, wer weiss? - vielleicht zieht eines tages meine tochter sie an...


die schneiderin in den medien